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Warum Angela Wittmann nichts mehr nervt als die Frage nach sinnvoller Freizeit-Beschäftigung
Neulich war es wieder so weit. Auf einem Seminar, in der Kaffeepause. Wir waren gerade mit dem Wetter durch, und dann kam das, wovon alle immer mehr haben oder zumindest mehr reden: „Und was machst du so in deiner Freizeit“, fragt ein Fremder, „so als Hobby, meine ich?“ – „Nichts“, sage ich, und in der nächsten Kaffeepause steht er an einem anderen Tisch.
Der hobbylose Mensch _______(1): Ist nie beim Skifahren dabei und auch nicht, wenn die anderen mal wieder eine Squash-Gemeinschaft gründen. So jemand wird gemieden wie die Pest, weil er doch nun wirklich schnarchlangweilig ist. Wenn nicht sogar hoch verdächtig! Eine faule Zecke, die sich weigert, wertvolle Arbeitskraft zu regenerieren?
Oder vielleicht doch ein verstrebtes Arbeitstier, das gar nichts anderes mehr mit sich anzufangen weiß? Auf alle Fälle ein Aussätziger unter denen, die ________(2) und viel Spaß dabei haben. Früher habe ich das auch versucht. Legionen aufrechter Fimo-Figuren, eine braune Makramee-Eule und eine Strickliesl-Wurst, aus der bei etwas Disziplin mindestens zwanzig Topflappen gerollt werden könnten, sind meine Zeugen. Ich habe nach Zahlen ein wuscheliges Kätzchen gemalt und einen Telefon-Teppich mit Pferdemotiv geknüpft.
Ich weiß das so genau, weil meine Großmutter diese Missgeburten der Hobby-Frühförderung _______(3)hat. Alle meine selbst gebastelten Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke landeten in einem Pappkarton. „Da hast du sicher Freude dran“, hat Oma bei der Übergabe gesagt.
Dieser Karton ist ein typisches Hobby-Grab: Wird es in ferner Zukunft von Archäologen oder Außerirdischen ausgehoben, werden sie folgende Vermutungen anstellen:
• Das Hobby an sich war eine kindische Sache.
• Die gesamte Kindheit diente nur zur Vorbereitung auf das bittere Schicksal, dass man nur mit Hobby ein vollwertiger Erwachsener war.
• Freizeit war niemals wirklich freie Zeit. ______(4): Jede Sekunde gehörte der Freizeitindustrie.
Wer sich nicht isolieren wollte, musste sündhaft teure Seide besudeln oder auf Inline- Skates sein Leben riskieren. Und natürlich war nicht eines dieser investitionsintensiven Angebote _______(5) .
Dafür sprechen auch meine weiteren Hobby-Gräber: der Kofferraum, auf dessen Boden seit zwei Jahren ein hoffnungslos verhedderter Lenkdrache rumfliegt (oder eben gerade nicht). Vor allem aber der Keller, wo die dickste Hobby-Leiche liegt: das Fotolabor, angeschafft mit dem Liebsten – zwecks gemeinsamer Freizeitgestaltung.
Ganze fünfmal haben wir im Rotlicht herumgepanscht und noch aus dem finstersten Negativ ein Kunstwerk herausgewedelt. Anfangs waren wir gespannt wie die Flitzebögen, was sich da so entwickeln möge. Dann haben wir die Filme wieder ins Fotogeschäft getragen, und wenig später gab’s gar keine Filme mehr. „Du fotografierst mich nicht mehr“, habe ich gesagt. Seitdem fehlt uns beiden die rechte Lust. Trotzdem behaupte ich: Man kann auch ohne Hobby _____(6) sein!
Man kann zum Beispiel in seiner Freizeit auch einfach so aus dem Fenster schauen und den Menschen, die aussehen, als würden sie in ihre Yogakurse und zur Rabattmarken-Tauschbörse hetzen, trotzig zubrüllen: „Ich hab’ kein Hobby, dafür hab’ ich meine ______(7).“ Und wie könnte ich sie genießen, wenn nur diese ewige Fragerei nicht wäre ...
Brigitte