| Den Sammler lassen Briketts kalt Wer Ottfried Sievers eine Freude machen will, bringt ihm statt Blumen oder
Pralinen ein Brikett mit. Der 63- Jährige braucht die schwarzen Brocken nicht
zum Heizen, sondern schickt sie sauber verpackt seinem Bekannten in Kelz bei
Düren.
„Für ein Brikett aus einer schon längst geschlossenen Ruhrpott- Zeche hat
er einem Sammler schon einmal 70 Mark bezahlt“, berichtet Sievers. Ihn selbst
lassen die Briketts jedoch kalt, sogar ein lackiertes Schmuckbrikett mit der
Prägung „Stadtwerke Hannover“ kann den ehemaligen Hastra-Mitarbeiter nicht
reizen.
Sein Sammlerherz gehört Feuerzeugen aller Größen und Formen, Werbe-
Kugelschreibern, Kartentaschenkalendern, Aufklebern und Streichholzbriefen-
oder schachteln. Zu seiner Feuerzeugsammlung von insgesamt 13 500 Stück gehört
ein zwei Zentimeter langes Schächtelchen mit daumennagelgroßen Streichhölzern
für Mutige mit Hornhaut an den Fingerspitzen ebenso wie ein protziges
Tischfeuerzeug in Form einer Harley Davidson. Alle sind aus
Sicherheitsgründen
leer.
Zu einer solchen Sammlung ist Ottfried Sievers nicht nur dank der Umsicht
seiner Bekannten und Verwandten gekommen - die auch noch an gebrauchte
Telefonkarten für seine Tochter und Stofftragetaschen für seine Frau denken
müssen - sondern dank der Sammlerbörse, die er gegründet hat. Mittlerweile 32
Frauen und Männer in ganz Deutschland mit den wunderlichsten Spezialsammel-
gebieten sind ihr angeschlossen.
Jeder sammelt für alle anderen mit. So stapeln sich in Sievers' Wohnzimmer,
im Arbeitszimmer und vor allem natürlich im Keller Aufkleber, Briefmarken,
Bierdeckel und Flaschenöffner. Die Schätze werden ebenso wie Milchplastik-
döschen, Plastiktüten, Überraschungseier-Figuren, Zollstöcke und Wandkalender
sortiert und in Päckchen gepackt, um später vom Mittelpunkt-Sammler an den
jeweiligen Sammler verschickt zu werden. Manches - wie Wein- und Sektkorken,
Hotelseife oder Zuckerstücke.
Die Sammlerin, die sich auf Sand aus aller Welt spezialisiert hat, verlangt
ihren Mitmenschen allerdings einige Reiselust ab. „Es ist schon verrückt,
was die Leute so sammeln“, findet Ottfried Sievers. Jetzt im Winter ist für
ihn die Zeit des Putzens und Sortierens. Die regelmäßigen Wege zur Post, wo
er mit seinen Päckchen ein guter Kunde ist, kommen dazu. Insgesamt beschäftigt
den Sammler seine Passion nach eigener Schätzung täglich ein bis zwei Stunden.
Psychologen meinen, dass Sammler glückliche Menschen sind. Doch ein Satz
kann Sievers und seine Kollegen ärgern: „Das habe ich gerade weggeschmissen."
Und der sorgfältige Umgang mit ihren Schätzen ist für denjenigen, die der
Sammelleidenschaft verfallen sind, Ehrensache.
Deshalb wird Ottfried Sievers das Brikett von 1945, das in der Nachkriegszeit
von einem Kohlewagen geklaut worden ist, auch nicht per Post zu seinem
Sammlerfreund nach Düren schicken. „Das bringe ich persönlich hin, wenn
er Urlaub hat.“
Quelle: Hannoversche Allgemeine
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